Gießener Anzeiger vom 11.12.2008:

Bank- Entscheidung sorgt in Rödgen für Unmut
Nach Schließung der Filiale vor zwei Jahren soll auch Geldautomat entfernt werden - "Versorgungslage immer schlechter"

GIESSEN- RÖDGEN (fod). Wer in Rödgen wohnt und Kunde der Volksbank Mittelhessen ist, wird sich zukünftig auf einen längeren Weg zum Geldabholen einstellen müssen. Nachdem im Juni 2005 die Volksbank- Filiale geschlossen worden war, möchte das Geldinstitut zum 31.Dezember auch den verbliebenen Bankautomaten in der Langen Ortsstraße entfernen. Im Rödgener Ortsbeirat sorgt diese Entscheidung, wie am Dienstagabend zu sehen, für großen Unmut.

Die SPD- Fraktion brachte einen Antrag ein, in dem sie den Magistrat bat, alles zu unternehmen, um die Schließung des Automaten zu verhindern. Sollte das nicht von Erfolg gekrönt sein, schlug man alternativ vor, die seitherigen Serviceleistungen über den Bankautomaten der Sparkasse in der Udersbergstraße kostenneutral, also ohne Zahlung der üblicherweise fälligen Gebühren, vornehmen zu können. "Von einer Bank, die das Wort `Volk` in ihrem Namen trägt, sollte man verlangen dürfen, dass sie wenigstens ihre Serviceleistungen erhält", erklärte Werner Döring (SPD).
Er beklagte zudem, dass die Versorgungslage in Rödgen, nachdem nun auch die Post ihre Filiale geschlossen habe, immer schlechter werde.
FW- Fraktionsvorsitzende Elke Victor unterstütze ihre Beiratskollegen bei deren Vorhaben: "Vielen älteren Bürgern wird es große Probleme bereiten, für ihre Geldgeschäfte jedes Mal nach Gießen fahren zu müssen", gab sie zu bedenken.

Ute Wernert- Jahn (CDU) meinte daraufhin, dass ein Eingreifen des Magistrats zwar nicht schaden könne, jedoch kaum Hoffnung auf Erfolg bestehe. Die folgende Abstimmung fiel schließlich einstimmig für den Antrag aus.

Mit demselben Ergebnis wurde auch ein weiterer SPD- Antrag beschieden, in dem die Fraktion den Magistrat aufforderte, dafür zu sorgen, dass außer der beabsichtigten Aufstellung einer Geschwindigkeitsanzeigetafel vor der gefährlichen Kurve im Bereich der Hausnummer Lange Ortsstraße 6 auch mehrere Findlinge entlang der Kurve am Straßenrand hingelegt werden. "Die Steine hätten einen größeren Effekt als die Anzeigetafel", war Kurt Seipp (SPD) überzeugt. Dem stimmte auch der bei der Ortsbeiratssitzung anwesende Hausbesitzer zu: "Mir ist es unbegreiflich, dass die Stadt diesen Wunsch abgelehnt hat", sagte er. Zumal, wie der SPD- Fraktionsvorsitzende Jürgen Becker zu berichten wusste, die Anzeigetafel nur zu bestimmten Zeiten in Betrieb sein werde. Von allen Beiratsmitgliedern wurde beklagt, dass häufig Autofahrer in der Kurve trotz des vorgeschriebenen Tempos 30 viel zu schnell fahren und eine große Gefahr für die dort entlanggehenden Fußgänger, insbesondere aber die Schulkinder, darstellten. Eine Gefahr, die der Hauseigentümer durch die Schilderung eines typischen Unfalls an dieser Stelle als Zeuge untermauern konnte.

Nur einen einzigen Antrag gab es hingegen zum Haushaltsplan 2009 der Stadt Gießen. Jürgen Becker bat darin den Magistrat, bei den Beratungen zum Entwurf des Planes einen Betrag von 10000 Euro für die Reparatur und Sanierung der Rödgener Feldwege einzustellen. Er fühle sich zudem "etwas zurückgesetzt", da der Ortsbeirat bislang nicht von der Stadt über die beabsichtigten Maßnahmen informiert oder darin einbezogen worden sei. "Der Grenzänderungsvertrag von 1971 gibt uns die Möglichkeit, einen solchen Antrag zu stellen", bekräftigte Becker und machte darauf aufmerksam, dass, falls man sich nicht selbst dafür einsetze und der Haushaltsplan hier Lücken aufweise, die Finanzmittel womöglich verfallen könnten.
In diesem Zusammenhang bedauerte Elke Victor, dass der einst gemachte Vorschlag des Ortsbeirats, diesem freie Mittel zur Verfügung zu stellen, leider abgelehnt worden sei. Ute Wernert- Jahn wollte schließlich wissen, wie die SPD ausgerechnet auf die Summe 10000 Euro komme. Jürgen Becker entgegnete, dies sei nur eine ungefähre Schätzung, da man eben keinen Einblick in die Planungen erhalten habe. Die beiden CDU- Vertreter blieben jedoch skeptisch und enthielten sich bei der Abstimmung, während die restlichen Beiratsmitglieder den Antrag mit ihren Ja- Stimmen beschlossen.

Die Ortsbeiratssitzung sollte für Dr.Reinhard Kaufmann, als zuständiger Dezernent der Stadt Gießen regelmäßig zu Gast in Rödgen, die allerletzte sein. Denn im kommenden Februar geht er in Ruhestand. Ortsvorsteher Dieter Geißler (SPD) überreichte ihm zum Abschied ein Weinpräsent und bedankte sich "ganz herzlich" bei Kaufmann, der sich mit viel Engagement, so Geißler, für die Belange Rödgens eingesetzt habe.